SAP · 24. August 2026
ECC-Wartungsende: warum 2027
näher ist, als es klingt.
Erstmals liegt S/4HANA vor ECC, aber nur 37 Prozent der verbliebenen ECC-Anwender schaffen den Umstieg bis 2027, und Migrationen dauern im Schnitt 30 Prozent länger als geplant. Die Zahlen im Überblick.
Ende 2027 läuft die Mainstream-Wartung für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 aus, also auch für SAP ECC 6.0. Danach bleibt die optionale erweiterte Wartung bis Ende 2030; für S/4HANA gilt eine Wartungszusage bis 2040.[1] Das klingt nach viel Zeit. Die aktuellen Zahlen aus dem DACH-Raum sagen etwas anderes.
Wo die Anwender wirklich stehen
Der DSAG-Investitionsreport 2026, erhoben unter 198 Mitgliedsunternehmen mit 95 Prozent DACH-Anteil, markiert einen historischen Wendepunkt: Erstmals setzen mehr Unternehmen S/4HANA On-Premises ein (56 Prozent) als die alte Business Suite bzw. ECC (54 Prozent). Dazu kommen 17 Prozent S/4HANA Private Cloud und 5 Prozent Public Cloud. Aber der Blick auf die Restanten ist ernüchternd: Nur 37 Prozent der verbliebenen ECC-Anwender wollen bis Ende 2027 umstellen. Fast die Hälfte plant den Umstieg erst bis Ende 2030, also in der teureren Extended-Maintenance-Phase, und 4 Prozent visieren sogar Ende 2033 an.[2]
Die valantic-SAP-Studie 2025 (201 SAP-Fachleute aus DACH) zeichnet dasselbe Bild von der anderen Seite: 27 Prozent haben die Transformation abgeschlossen, 40 Prozent setzen aktiv um, 29 Prozent stecken noch in der Planung. Interessant ist der Strategie-Schwenk: Reines Brownfield fiel von 41 auf 10 Prozent, 57 Prozent wählen erweiterte Brownfield- oder Bluefield-Ansätze, und die Präferenz für die Private Cloud als Betriebsmodell hat sich von 31 auf 58 Prozent fast verdoppelt.[3]
Warum die Zeitrechnung nicht aufgeht
Die entscheidende Zahl liefert eine Horváth-Studie unter 200 SAP-Anwenderunternehmen: Mehr als 60 Prozent verzeichnen bei der S/4HANA-Migration Abweichungen bei Budget, Zeitplan und Ergebnisqualität. Die Projekte dauern im Schnitt 30 Prozent länger als geplant, nur 8 Prozent der Unternehmen mit abgeschlossener Umstellung blieben im Zeitplan, und 65 Prozent stellten nach der Migration starke Qualitätsmängel fest. Von den 200 befragten Unternehmen hatten zum Erhebungszeitpunkt erst 37 die Migration abgeschlossen.[4]
Rechnen wir das durch: Ein Vorhaben, das heute mit zwei Jahren Laufzeit geplant wird, endet mit den empirischen 30 Prozent Verzug erst weit im Jahr 2029. Wer Ende 2027 ernst nimmt, müsste längst mitten in der Umsetzung stecken. Die erweiterte Wartung bis 2030 ist ein Sicherheitsnetz, aber kein Plan: Sie verschiebt das Problem in einen Zeitraum, in dem alle anderen auch migrieren.
Der eigentliche Engpass sind Menschen
Im DSAG-Report nennen 63 Prozent das Wartungsende als Herausforderung für ihre SAP-Investitionen, noch vor Themen wie Komplexität der Migration. Und der DSAG-Vorstandsvorsitzende Jens Hungershausen benennt den Grund für die Verzögerungen bemerkenswert offen: Fachkräftemangel, parallel laufende Transformationsprojekte und begrenzte Budgets führen dazu, dass Zeitpläne nach hinten geschoben werden, selbst wenn das höhere Wartungskosten zur Folge hat.[2]
Genau das deckt sich mit dem, was wir im Markt sehen: Nicht die Technologie ist der Flaschenhals, sondern Menschen mit echter Migrationserfahrung, die FI/CO von SuccessFactors unterscheiden können, die schon einmal ein Bluefield-Projekt durchgezogen haben und die wissen, wo die 30 Prozent Verzug typischerweise entstehen. Solche SAP-Experten haben wir in unserem Netzwerk, und je näher 2027 rückt, desto früher sollte man sich ihre Zeit sichern.
Quellen
- SAP SE (2020): Updated Policy Gives Customers More Time to Complete SAP S/4HANA Transition. SAP News Center, 11. Februar 2020. news.sap.com (abgerufen am 24. August 2026).
- DSAG e. V. (2026): DSAG-Investitionsreport 2026: Unternehmen investieren gezielter. Pressemeldung, Erhebung Dezember 2025 bis Januar 2026 unter 198 Mitgliedsunternehmen. dsag.de (abgerufen am 24. August 2026).
- valantic GmbH / techconsult (2025): valantic SAP-Studie: Trends 2025. Befragung von 201 SAP-Fachleuten aus der DACH-Region, Q1 2025. valantic.com (abgerufen am 24. August 2026).
- Horváth & Partners (2025): Business Transformation Unlocked: Maximizing the Benefits of SAP S/4HANA. Studie unter 200 SAP-Anwenderunternehmen; Zahlen zitiert nach Computerwoche vom 21. März 2025. computerwoche.de (abgerufen am 24. August 2026).
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